Mit
einer Produktion mehr als 880 000 Tonnen Olivenöl pro Jahr
ist Spanien der grösste Olivenölproduzent der Welt.
Zu unrecht steht das spanische Olivenöl jedoch im immer noch
Schatten des italienischen oder griechischen Öls. Die Qualität
des spanischen „Aceite virgen extra“ ist längst
genauso gut, wenn nicht gar besser als die des italienischen oder
griechischen Olivenöls. Noch immer kauft Italien den spanischen
Olivenölbauern jährlich rund 400.000 Tonnen Olivenöl
ab. Es wird in Italien abgefüllt dann als italienisches Olivenöl
auf den Markt gebracht.
In Spanien hat der Trend zur Produktion erstklassischer
und hochwertiger Olivenöle in den vergangenen 12-15 Jahren
enorm zugenommen. Das Verdienst daran gebührt in erster Linie
einer jungen Generation von Olivenölbauern. Sie nutzen die
Erfahrung und das Wissen der Väter und kombinieren es mit
ihrer ausgezeichneten Ausbildung und ihrem Wissen. Sie setzen
alles daran, ein erstklassiges Olivenöl zu produzieren. Es
gibt sortenreine spanische Olivenöle und Olivenöle in
Coupage. Dabei werden oft die einzelnen Sorten getrennt geerntet
und dann vom Fachmann entsprechend miteinander verschnitten, um
so eine hohe Qualität zu erreichen.
Schon 1992 gab es in Spanien einige Olivenölbauern,
die sich mit der Herstellung von biologischem Olivenöl befassten,
das in Spanien aceite ecológico heisst. Der Begriff bio(lógico)
ist in Spanien seit 2003 ebenfalls geschützt. Die Auflagen
sind streng, die Kontrollen kontinuierlich und es dauert lange,
bis man sein Olivenöl als aceite ecológico/biológico
anbieten darf.
Zur Zeit führen 25 Olivenanbauregionen
in Spanien die Bezeichnung Denominación de Origen de Aceite
de Oliva virgen extra abgekürzt D.O.(Herkunftsgarantie für
kalt gepresstes, natives Olivenöl extra).
Unter der Überschrift “Los nuevos
aceites españoles” (Die neuen spanischen Olivenöle)
schreibt José Carlos Capel, Journalist, Gastronomiekritiker
und Verantwortlicher der gastronomischen Veranstaltung Madrid
Fusión: “ Obwohl es zutreffend ist, dass nach wie
vor ein grosser Verbrauch an raffinierten Olivenölen verschnitten
mit nativ extra-Ölen besteht, sind die Fortschritte bei den
Olivenöle nativ extra unglaublich. ….Diese Olivenöle
stammen vorwiegend aus handwerklichen Produktionen und von kleinen
Familienbetrieben, die an eine bestimmte Olivenbaumlage gebunden
sind, sei es in Gebirgslage oder in Ebenen, die wiederum unterscheidlicher
Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Jede geographische Ecke ist
fähig, unterschiedliche Olivenöle herzustellen in Verhältnis
zu den klimatischen Bedingungen jeder Kampagne. Wobei auch der
Zeitpunkt der Ernte eine Rolle spielt. Es ist nicht verwunderlich,
dass diese Öle, aceite de pago genannt, aus den Oliven einer
einzigen Olivenölplantage hergestellt werden, im Stil der
französischen Chateaux. Sie pflegen von kleinen Olivenölbauern
mit geringer Produktion zu stammen, die jedes noch so kleine Detail
überwachen, um Olivenöle von hoher Qualität zu
erhalten….Die spanischen Olivenöle der jüngsten
Generation, sortenrein oder in Coupage, gleichen in nichts mehr
denen aus früheren Zeiten. Zu ihren intensiv fruchtigen Aromen
pflegen sich Duft- und Geschmacksnoten wie frisch geschnittenes
Gras, Anklänge an grüne Tomaten oder Äpfel, Mandelblüten,
Haselnuss und Untertöne von Bananen zu gesellen. Flüchtige
Duftnoten die sich über die bitteren und pikanten oder adstringierenden
Noten legen auf einem eher süssen Grundton.”
Darauf sind mittlerweile auch die grossen
Olivenölproduzenten in Spanien gekommen, die in den 80er
Jahren auf Massenproduktion mit stets gleichbleibendem Geschmack
des Olivenöls setzten. Auch sie bieten zunehmend Olivenöle
an, auf deren Etikett die Sorte(n) steht, aus der das Olivenöl
hergestellt wurde. Selbst in Supermärkten findet man mittlerweile
immer mehr Olivenöle grosser Hersteller, die sowohl die Olivensorten
angeben, als auch die Haltbarkeit.
Wer also allgemein von spanischem Olivenöl
spricht, wird der grossen Vielfalt der verschiedenen Öle
bzw. ihrer Geschmacksvarianten nicht gerecht. Selbst dieselbe
Sorte kann unterschiedlich schmecken, je nach klimatischen Bedingungen,
Standort und Bodenbeschaffenheit. Viele spanische Spitzenköche
machen sich das zunutze und verwenden je nach Gericht unterschiedliche
Olivenöle.
Wer einmal an einer Olivenölprobe (cata de aceite de oliva)
teilgenommen hat, wird schnell feststellen, dass Olivenöle
eine grosse Geschmacksvielfalt aufweisen. Fruchtig sollten sie
alle sein. Dann gibt es noch Anklänge an Apfel, Mandel, Pistazie,
Haselnuss, Walnuss, Tomate, Paprika, Artischocke, Avocado, Banane,
frisches Heu, Kräuter, etc. mal mehr, mal weniger intensiv.
Ein Olivenölverkoster kann bis zu 100 verschiedene Geschmacksrichtungen
unterscheiden.
Das Oleoeuropeína (ein Polyphenol) ist verantwortlich für
die Bitternote. Je früher man die Oliven erntet, desto höher
ist ihr Gehalt an diesem Polyphenol und desto bitterer kann das
Olivenöl sein. Noch ein Wort zu bitteren Olivenölen.
Ein leichter Bitterton im Olivenöl ist durchaus erwünscht,
aber er darf nicht vorherrschen und resistent sein. Übrigens:
Frisches Olivenöl schmeckt leicht pfeffrig-pikant im Abgang.
Manche sagen auch, es kratze im Hals. Das ist auch ein Zeichen
von Qualität und Frische.Das verliert sich.aber im Laufe
von drei oder vier Monaten.
Die wichtigsten spanischen Olivensorten
um ein bisschen durch die Sortenvielfalt zu helfen.
PICUAL: Fast die Hälfte
aller spanischen Olivenöle stammt aus der Sorte Picual. Sie
wird vor allem in Andalusien, rund um Jaén angebaut. Die
Oliven sind früh reif. Die Öle schmecken leicht bitter
und pikant, werden abermit der Zeit milder. Die Picual wird wegen
ihrer Stabilität gern für Coupages genommen. Das Olivenöl
aus der Picual ist, sofern die Bäume im Flachland stehen
körperreich und voll im Geschmack, leicht bitter mit Anklängen
an Holz. Stehen die Bäume in gebirgigen Zonen, schmeckt das
Öl milder und frischer.
Olivenöle aus der Picual findet man auch in der D.O. Sierra
Mágina, D.O. Sierra Segura aber auch in D.O. Priego de
Córdoba, D.O. Sierra de Cazorla und D.O. Montes de Granada.
CORNICABRA: Sie steht in
der Anbaufläche an zweiter Stelle und wird vor allem in Castilla-La
Mancha angebaut. Die Cornicabra ist spät reif. Der Geschmack
des Öls ist leicht adstringierend, pikant, mild im Gaumen,
mit leichten Geschmacksanklängen an grüne Mandeln und
einem leichten Bitterton. Zu finden in Castilla-La Mancha, Toledo
(D.O. Montes de Toledo) und Ciudad Real.
HOJIBLANCA: Sie steht an
dritter Stelle in Spanien. Angebaut wird sie vor allem in Córdoba,
Málaga, Sevilla und Granada. Die Oliven der Hojiblanca
sind spät reif. Das Öl schmeckt fruchtig-pikant, mit
leichtem Anklang an grüne Äpfel, wenig bitter und leicht
süss. Man findet sie im Osten von Sevilla, im Süden
von Córdoba und im Norden von Málaga.
ARBEQUINA: Katalonien, Aragón
und Andalusien sind die Hauptanbaugebiete dieser sehr früh
reifen Olivensorte. Die Öle aus der Arbequina schmecken frisch-fruchtig
mit Aromen nach Mandeln und anderen Früchten. Sie sind kaum
pikant oder bitter, sondern sehr mild und delikat. Man kann sie
als harmonische, leichte und süße Öle beschreiben.Zu
finden in den katalanischen Provinzen Tarragona(D.O. Suirana)
und Lérida (D.O. Les Garrigues) und in Aragonien (D.O.
Bajo Aragón).
MORISCA oder VERDIAL: Diese
Olive wird in Badajoz (Extremadura) angebaut. Sie reift früh.
Das Öl schmeckt fruchtig und süss. Zu finden in der
Provinz Badajoz, in der unteren Extremadura (D.O. Monterrubio
und D.O. Gata-Hurdes).
In der Axarquia im Südosten von Málaga
findet man die VERDIAL DE VELEZ-MÁLAGA. Aus ihr wird ein
sehr fruchtiges, angenehm süßes Olivenöl gewonnen,
das keinerlei Bitterstoffe aufweist. Die Region Axerquia beantragt
gerade für ihre Olivenöle die Herkunftsgarantie D.O.
Axarquia . Reines Verdialolivenöl ist höchstens in Málaga
zu finden, da diese Olive eher mit der Hojiblanca vermischt wird.
(D.O. Poniente de Granada).
EMPELTRE: Diese Sorte findet
man in Aragón und auf den Balearen. Die Oliven sind sehr
früh reif. Das Öl ist sehr fruchtig und aromatisch,
süsslich, mit Anklängen an grüne Äpfel, Mandeln
und einem ausgezeichneten Gleichgewicht zwischen Bitternote und
pikant. Angebaut in den aragonesischen Provinzen Logroño
und Teruel, im Ebrotal und auch auf den Balearen (D.O. Bajo Aragón
und D.O. Mallorca).
PICUDO: In der Gegend um
Córdoba, Málaga, Granada und Jaén findet
man diese Olivensorte. Sie ist sehr früh reif. Das Öl
schmeckt sehr fruchtig, hat einen leichten Apfelgeschmack mit
angenehmer Bitter- Pikantnote und Anklängen an Mandeln. Das
Öl ist sehr ausgeglichen und hat eine unvergleichliche Süße.
(D.O. Baena und D.O. Priego de Córdoba).
BLANQUETA: Sie wird vorwiegend
in der Region Levante rund um Alicante angebaut. Die Sorte hat
eine sehr kleine Frucht und ist früh reif. Das Öl ist
leicht adstringierend, sehr fruchtig, mit leichtem Mandelgeschmack,
leicht bitter und pikant mit schwacher Süsse.
MANZANILLA: Diese Olivensorte
wird in der Gegend von Sevilla vor allem zu grünen Tafeloliven
(aderezo) verarbeitet. Man findet sie auch in den Bergen von Alicante.
Die Olive ist reift früh.Das Öl ist fruchtig und mild,
mit niedriger Bitternote und nur schwach pikant.
Wie sind die grossen Preisunterschiede bei Olivenöl
zu erklären?
Ein Produkt, bei dem bis zu 80% der Kosten durch Handarbeit bei
Ernte und Baumpflege entstehen, kann nicht billig sein. Pro Baum
werden im Schnitt circa 20 Kilogramm Oliven geerntet; daraus lassen
sich ungefähr drei bis vier Liter Olivenöl herstellen.
Beim Olivenöl ist es wie beim Wein: Das Gebiet, die Lage,
die Erntemethoden und natürlich die Menge entscheiden über
den Verkaufspreis. Je kleiner das Anbaugebiet ist und je mehr
die Verbraucher die dort geleistete Verarbeitung schätzen,
desto höher kann der Preis ausfallen, besonders wenn das
Öl auch noch einen besonderen geschmacklichen Wert und Charakter
hat. Bedeutet die Bezeichnung Nativ Extra auch automatisch gute
Qualität?
Nein, denn nativ extra bezeichnet zunächst nur einen Mindeststandard
für Olivenöle. So darf der Säuregrad 0,8º
(Anteil der freien Fettsäuren) nicht überschreiten.
Das Öl darf keine geschmacklichen Fehler aufweisen, es muss
fruchtig schmecken und darf eine Bitternote haben, aber keinesfalls
bitter sein. Bestimmte chemische Werte sind vorgeschrieben. Da
sich chemische Werte auch manipulieren lassen, sind sie nur bei
garantiert naturbelassenem Öl aussagekräftig.
Die Bezeichnungen „Extra Vergine“ (italienisch), „Virgen
Extra“ (spanisch) oder „Extra Virgem“ (portugiesisch)
entsprechen dem deutschen „Nativen Olivenöl Extra“
und sind zwar Qualitätskennzeichnungen für Olivenöl.
Aber im Einzelfall besagt das nicht viel.
Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest im September 2005
sind ein Drittel aller untersuchten Olivenölele der ersten
Güteklasse nativ extra als mangelhaft eingestuft worden.
Zum Teil wurden erhöhte Verarbeitungstemperaturen nachgewiesen
oder auch Schadstoffe wie der Weichmacher DEHP und auch Butylbenzylphthalate
in erhöhten Konzentrationen .
Eine erneute Untersuchung im Mai 2006 bestätigte das Vorjahresergebnis,
auch hier wurde ein Drittel (4 von 12) der Olivenöle mit
mangelhaft bewertet.
Eines der getesteten Öle, ein teures Tropföl, müsste
die Bezeichnung Lampantöl tragen, da es sehr deutliche Fehler
aufweist und zum Verzehr nicht geeignet ist.
Auch bei diesem Test wurden, ausgerechnet bei einem Bioprodukt,
Weichmacher nachgewiesen.
Was bedeutet kaltgepresst und erste Pressung?
Früher, als die hydraulischen Ölpressen noch per Hand
oder mit tierischer Kraft bewegt wurden, gab es noch eine zweite
Pressung, oft auch mit Hilfe von warmem Wasser, um die Ergiebigkeit
zu erhöhen. Aus dieser Zeit stammen die Begriffe, die heute,
wo es nur noch eine einzige kalte Pressung gibt, nicht mehr erforderlich
sind. Aber sie klingen schön und zeigen den Wert des Produkts.
Seit 1.November.2003 darf das Wort kaltgepresst nur noch bei Pressprozessen
unter 27°C verwendet werden. Das bedeutet eigentlich, dass
alle hochwertigen Olivenöle kaltgepresst sind.
Tropföl ist ein Olivenöl, das vor der Pressung durch
das Eigengewicht aus den Oliven rinnt Es ist besonders mild und
fruchtig. Es ist selten und teuer.Für einen Liter Tropföl
braucht man etwa 11 Kilogramm Oliven.
Weshalb gibt es unterschiedliche Farbvarianten bei Olivenöl
?
Die Farbe eines Olivenöls hängt im Wesentlichen von
der Olivensorte und dem Reifestadium der verarbeiteten Oliven
ab. Sie reicht von grün bis goldgelb. Mit der Qualität
des Olivenöls hat die Farbe nichts zu tun. Normalerweise
ist Olivenöl klar. Ungefiltert kann es aber auch leicht trüb
sein.
Wie lange ist Olivenöl haltbar?
Aufgrund seiner Fettzusammensetzung ist Olivenöl besonders
lange, d.h. bei richtiger Lagerung (kühl und vor allem dunkel)
mindestens 18 Monate haltbar. Angebrochene Flaschen sollten jedoch
zügig verbraucht werden.
Wie finde ich “mein“ Olivenöl
und welches ist nun das Beste?
Das ist vor allem Geschmacksache. Mögen Sie es eher mild
und süsslich oder intensiv im Geschmack? Wenn Sie keine Probiergelegenheit
haben, starten Sie mit einem möglichst kleinen Gebinde und
probieren Sie das Öl mit Brot und in verschiedenen Speisen.
Manche Etiketten bieten Informationen zur Geschmacksrichtung.
Grosse Vielfalt finden Sie bei den naturbelassenen Güteklassen
«Natives Olivenöl extra» und «natives Olivenöl»,
während die Güteklasse «Olivenöl» prinzipiell
sehr mild im Geschmack ist und eher zum Kochen eingesetzt wird.
Die Informationen auf den Etiketten geben weitere Auskünfte,
die Ihre Entscheidung beeinflussen können. Sie finden Angaben
zur Herkunft, je nachdem zu Olivensorten, Ernteart, Pressmethode.
Es lohnt sich auf jeden Fall, die Etiketten genau zu lesen.
Ich denke, finden kann man SEIN Olivenöl
nur durch Probieren, Probieren, Probieren….Hat man SEIN
Olivenöl virgen extra erst einmal gefunden, dann sollte man
es bevorzugt in der kalten Küche eingesetzen. Fürs Braten
und Kochen reicht hingegen immer ein normales Olivenöl.
Wenn man direkt bei den spanischen Olivenölbauern
kauft, kann man noch hochwertiges spanisches Olivenöl nativ
extra für 4-6 Euro pro 0,5 Liter finden. Nach oben gibt es
natürlich keine Grenzen.
In spanischen Feinkostgeschäften kosten sie bereits 50 bis
80% mehr und in Deutschland wird oft das Doppelte oder Dreifache
dafür verlangt.
TIPP: Viele spanische Köche verwenden
zum Braten normales Olivenöl. Um aber dem Gericht den abschliessenden
guten Geschmack von erstklassigem Olivenöl zu verleihen,
träufeln sie kurz vor dem Servieren ein paar Tropfen bestes,
spanisches Olivenöl nativ extra über das fertige Gericht.
Weitere Informationen: www.asoliva.de